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Studie zum Finanzwissen: Zu selten ein Thema im Unterricht

Eine Ing-Diba Studie zeigt: Die Mehrheit der Deutschen vermisst Finanzbildung. (c) Jesusmanuel - pixabay - CC0 Public Domain

Eine Ing-Diba Studie zeigt: Die Mehrheit der Deutschen vermisst Finanzbildung. (c) Jesusmanuel - pixabay - CC0 Public Domain

09.11.2017

Umfrage der Ing-Diba

Sind die Deutschen „finanzielle Analphabeten“? Eine neue Studie der Bank Ing-Diba lässt es vermuten. Experten sehen hier die Schulen in der Verantwortung.

Die Hälfte der Deutschen (51 Prozent) hat in einer repräsentativen Umfrage der Ing-Diba angegeben, keinerlei Finanzbildung erhalten zu haben. Unter den 18- bis 24-Jährigen gaben nur noch 18,5 Prozent dieser Gruppe an, man hätte ihnen ein solides Wissen in diesem Bereich in der Schule vermittelt – 2013 waren es noch 31 Prozent. „Obwohl mehr als 90 Prozent der Deutschen der Ansicht sind, dass Finanzbildung heutzutage ein Must-have ist, scheint es ein grundlegendes Problem bei der Wissensvermittlung zu geben. Vor allem an Schulen wird das Thema noch viel zu sehr vernachlässigt", sagt Nick Jue, CEO der ING-DiBa AG.

Mit dem Ergebnis liegt Deutschland im europäischen Vergleich auf dem vorletzten Platz. Großbritannien belegte den letzten Platz: Dort sagten 56 Prozent aller Befragten, sie hätten keine Finanzbildung erhalten.

Politische Diskussion

In den vergangenen Jahren hat sich in Deutschland eine öffentliche Diskussion über die Notwendigkeit von finanzieller Bildung entwickelt. Laut Ing-Diba-Studie sind rund 80 Prozent der Befragten der Ansicht, dass Finanzbildung am ehesten in der Schule vermittelt werden sollte. Bisher seien Verbraucher jedoch vor allem auf Eigeninitiative angewiesen, wenn sie keine „finanziellen Analphabeten“ bleiben wollten, so die Autoren der Studie.

Auch Vera Fricke, die Leiterin der Stabsstelle Verbraucherbildung beim Bundesverband der Verbraucherzentralen, sieht große Defizite bei der Finanzbildung. Sie rät allerdings dazu, die Studie kritisch zu sehen. „In der Studie sind ja nicht einzelne Kompetenzen abgefragt worden, sondern das Vorhandensein von Finanzbildung überhaupt“, so Fricke, „und darunter versteht nicht jeder dasselbe. Die Studie kann daher nur ein Indiz sein.“

Fächerübergreifende Finanzbildung und Schülerfirmen

Der Wille zur Verbesserung scheint inzwischen vorhanden zu sein: Bereits 2013 hatten die Kultusminister der Länder beschlossen, Verbraucherbildung an Schulen zu stärken und fächerübergreifend besser in den Unterricht zu integrieren. In einigen Bundesländern wurden dazu Leitperspektiven und Handlungsrahmen entwickelt. Jedoch fehlt es häufig an ausgebildeten Lehrern. „Den Lehrern fehlt außerdem die Zeit, Materialien zu sichten, die es zur Finanzbildung gibt, oder selbst Arbeitsblätter zu entwickeln“, nennt Vera Fricke noch ein weiteres Problem.

Finanzbildung muss jedoch nicht nur im Unterricht entwickelt werden. Auch Schülerfirmen können beispielsweise dabei helfen, Schülerinnen und Schülern Finanzwissen zu vermitteln. Die Werkstatt der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) hat sich mit Schülerfirmen beschäftigt. Ihr Fazit nennt Beispiele, erläutert die Vorteile, aber zeigt auch Risiken dieser Lernform auf. „Im Vergleich zu lehrerzentriertem Unterricht haben Schülerfirmen als handlungsorientierte Methode einige Vorteile: Zum einen fördern sie Selbsttätigkeit, Teamfähigkeit und Eigenverantwortung der Schülerinnen und Schüler – Kompetenzen, die nicht nur im beruflichen Kontext wichtig sind, sondern auch ihre Entwicklung hin zu mündigen Bürgerinnen und Bürgern unterstützen“, heißt es auf der Seite der BpB. Jedoch weisen die Autoren auch darauf hin, dass Schülerfirmen so angelegt sein sollten, dass das ökonomische Lernen nicht zum Selbstzweck gerät und eine Einflussnahme von Wirtschaftsakteuren ausgeschossen wird.

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