Datum: 14.01.2014

Mehr Verbraucherbildung oder Wirtschaft in die Schule? NRW diskutiert

Anhörung im Landtag

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Quelle: (c) pixabay.com CC0 Public Domain

 

Mehr Verbraucherbildung auf den Stundenplan? Oder doch ein eigenständiges Fach Wirtschaft? In Nordrhein-Westfalen wird derzeit darüber diskutiert. Bei einer Anhörung im Landtag bezogen Mitte Dezember 2013 gut ein Dutzend Experten Position.

Zur Diskussion standen zwei Anträge, die die Landtagsfraktionen der SPD und der Grünen sowie die FDP-Fraktion eingebracht hatten. SPD und Grüne fordern in ihrem Antrag, die Konsum-, Ernährungs- und Gesundheitsbildung als Teil der Verbraucherbildung weiterzuentwickeln. Dazu soll das Fach Hauswirtschaft neu gestaltet werden. Die FDP-Fraktion will mit ihrem Antrag ein eigenständiges Fach Wirtschaft als verbindliches Schulfach aufbauen.

Zu beiden Anträgen wurden rund ein Dutzend Experten gehört. Eine klare Linie kristallisierte sich während der Anhörung nicht heraus. Für ein Fach Wirtschaft sprach sich unter anderem der Verband „lehrer nrw“ aus. Die Grundlagen ökonomischer und verbraucherrelevanter Bildung seien darin besser zu vermitteln, weil es das Verbraucherverhalten nicht nur aus Sicht der Haushalte aufgreife, sondern auch aus betriebs- oder volkswirtschaftlicher Perspektive.

Ähnlich argumentierte Prof. Michael-Burkhard Piorkowsky vom Institut für Lebensmittel- und Ressourcenökonomie der Universität Bonn. Er sagte, die Verbraucherbildung behandle nur Teile der ökonomischen Bildung. Deswegen sei ein Fach Wirtschaft zu bevorzugen. Das denkt auch Prof. Thomas Retzmann vom Institut für Betriebswirtschaftslehre und Volkswirtschaft der Universität Duisburg-Essen. Laut Retzmann können Grundlagen ökonomischer Bildung nur in einem Fach „Wirtschaft“ systematisch vermittelt werden. Verbraucherbildung sei dabei ein „selbstverständlicher“ Aspekt.

Vor einer weiteren Aufspaltung des Fächerangebotes warnte dagegen der Bielefelder Soziologe Prof. Reinhold Hedtke. Ein separates Pflichtfach Wirtschaft habe „erhebliche negative Folgen“, so Hedtke. Es schade Fächern wie Politik, wenn diese ökonomische Zusammenhänge nicht mehr aufgreifen könnten. Auch Prof. Birgit Weber vom Institut für vergleichende Bildungsforschung und Sozialwissenschaften der Universität Köln warnte vor einer willkürlichen Trennung. Die einzelnen Wissensbereiche seien so eng verbunden, dass sie nicht gegeneinander ausgespielt werden dürften. Gleichlautend äußerte sich Prof. Kirsten Schlegel-Matthies von der Universität Paderborn. Ihre Kollegin Prof. Ines Heindl von der Universität Flensburg verwies auf positive Erfahrungen mit der schulischen Verbraucherbildung in Schleswig-Holstein. Dort hatte Verbraucherbildung 2009 das alte Schulfach Hauswirtschaft abgelöst.

Der Chef der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, Klaus Müller, wies darauf hin, dass junge Menschen oft Defizite in Verbraucherfragen haben, etwa beim Umgang mit Geld oder beim Datenschutz. Da es für ein neues Fach keine Ressourcen gäbe, sollten Themen der Verbraucherbildung nach seiner Ansicht als Querschnittsaufgabe begriffen und in bestehende Schulfächer integriert werden. Voraussetzung, so der Verbraucherschützer, sei, dass dies verbindlich festgeschrieben werde und die Verbraucherbildung nicht vom Engagement der Lehrkräfte abhänge.