Title

„Auch Schule steht beim Jugendmedienschutz in der Pflicht“

Kind mit Erwachsenem am Laptop pixabay.com/de/kinder-m%C3%A4dchen-jung-caucasian-1073638/

(c) pixabay - CC0 Public Domain

18.10.2016

Fünf Fragen an … Isabell Rausch-Jarolimek von der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM)

Ob Gewaltdarstellungen oder Pornografie – Online-Medien schaffen leichten Zugang auch zu jugendgefährdenden Inhalten. Inwieweit technische Filter- und Schutzsysteme hier Abhilfe schaffen können, hat die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) jüngst untersucht. Welche Lücken sich auftun und wie auch die Schule helfen kann, sie zu schließen, weiß Isabell Rausch-Jarolimek von der KJM.

1. Frau Rausch-Jarolimek, Sie haben die Möglichkeiten des technischen Jugendmedienschutzes untersucht. Was haben Sie herausgefunden?

Wir haben uns angeschaut, welche Filter- oder Schutzoptionen es derzeit gibt und wohin die Entwicklung insgesamt geht. Von der KJM anerkannt sind zurzeit zwei Jugendschutzprogramme. Problematisch ist, dass insgesamt nur rund ein Viertel aller Eltern solche Schutzoptionen nutzt und diese Systeme vor allem für Internet-Browser ausgelegt sind.

2. Apps bleiben außen vor?

Da gibt es große Defizite, wie insgesamt bei der mobilen Nutzung von Online-Inhalten. Einzelne auf Kinder zugeschnittene Apps verfügen zwar über Schutzeinstellungen, etwa fragFINN, die Suchmaschine für Kinder. Aber das ist nicht vergleichbar mit dem Rundumschutz, den anerkannte Systeme bieten. Da sollte aus unserer Sicht dringend nachgebessert werden.

3. Was schlagen Sie vor?

Wir brauchen eine technische Weiterentwicklung. Und wir müssen gute Systeme bekannter machen. Je stärker technische Systeme zum Jugendmedienschutz genutzt werden, desto eher werden die Anbieter bereit sein, darin zu investieren.

4. Sollten Schulen für die Nutzung dieser Techniken sensibilisieren?

Schulen stehen hier auf jeden Fall in der Pflicht. Sie sollten künftig viel stärker auf die Möglichkeiten des technischen Jugendmedienschutzes hinweisen, etwa im Zuge von Elternabenden. Und sie sollten selbst mit gutem Beispiel vorangehen: Ihre Computer- und IT-Systeme so einrichten, dass sie keinen Zugang zu Inhalten ermöglichen, die Kinder oder Jugendliche verstören oder in ihrer Entwicklung beeinträchtigen können. In vielen Schulen ist der Zugriff auf pornografische oder Gewalt verherrlichende Inhalte leider immer noch möglich.  

5. Reichen Filter aus? Was kann Schule hier noch leisten?

Medienkompetenz vermitteln. Und da passiert auch viel. Beim Jugendmedienschutz ist es aber immer wichtig, dass man die Eltern mit ins Boot holt, auch sie aufklärt, was an verstörenden Inhalten im Netz herumschwirren kann und wie sie dem einen Riegel vorschieben können. Schule sollte zudem darüber aufklären, dass schlimme Gewaltdarstellungen und anderes auch strafbar sein können und sich juristisch ahnden lassen. Dass sich auch Kinder und Jugendliche dagegen zur Wehr setzen können: Sei es durch einen Hinweis an die Polizei, die KJM, die Institutionen der freiwilligen Selbstkontrollen oder an jugendschutz.net, die Initiative der Jugendministerien aller Bundesländer. 

Im Gespräch:

Isabell Rausch-Jarolimek

Isabell
Rausch-Jarolimek

Isabell Rausch-Jarolimek leitet den Bereich Jugendmedienschutz bei der Kommission für Jugendmedienschutz. Zuvor war die Medienwissenschaftlerin unter anderem bei der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter e.V. (FSM) tätig.

Materialkompass

VERBRAUCHERBILDUNG 
Unser Expertenteam prüft und bewertet Lehrmaterialien - finden Sie heraus, welches Material zu Ihrem Unterricht passt!

Gefördert durch:

aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages