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Studie: Eltern und Kinder sorgen sich um Sicherheit im Internet

Der Jugendmedienschutzindex zeigt: Eltern sorgen sich um die Sicherheit ihrer Kinder im Netz (c) sharpemtbr - pixabay - CC0 Public Domain

Der Jugendmedienschutzindex zeigt: Eltern sorgen sich um die Sicherheit ihrer Kinder im Netz. (c) sharpemtbr - pixabay - CC0 Public Domain

07.12.2017

Jugendmedienschutzindex der FSM

Eltern sorgen sich um die Sicherheit ihrer Kinder, wenn diese im Netz surfen. Das zeigt der neue Jugendmedienschutzindex, der von der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Dienstanbieter (FSM) in Auftrag gegeben wurde. Ein weiteres Ergebnis der repräsentativen Studie: Eltern und Schüler sind der Meinung, dass mögliche Risiken auch in der Schule angesprochen werden sollten.

Verstörende Inhalte, Cybermobbing, Kontakt zu Fremden, Datenklau oder Viren – es gibt viele Gefahren, die Eltern im Netz für ihre Kinder sehen. Insgesamt 73 Prozent der Eltern in Deutschland sorgen sich um die Sicherheit ihrer Kinder bei der Nutzung des Internets. Der Anteil der Kinder, die besorgt sind, im Internet schlimme Erfahrungen zu machen, liegt bei 53 Prozent. Immerhin sehen sich 94 Prozent der Eltern selbst in der Verantwortung, für den Schutz ihrer Kinder im Netz zu sorgen. Jedoch glaubt nur etwa jeder zweite Elternteil, überhaupt genügend Netzkompetenz dafür zu besitzen.

Die meisten Eltern machen ihren Kindern laut Studie Vorgaben, wie lange sie online sein und was sie sich anschauen dürfen. Deutlich weniger installieren Jugendschutzprogramme oder nutzen Kindersicherungen (lediglich 25 Prozent). Dass weniger Eltern auf technische Lösungen zurückgreifen, kann auch daran liegen, dass die meisten glauben, sich im Netz nicht besser auszukennen als ihre Kinder: Schon etwa im Alter von 13 Jahren – so die Mehrheit der befragten Eltern und Kinder – überflügeln die Kinder ihre Eltern in Bezug auf Online-Fähigkeiten. Fast alle Eltern (90 Prozent) würde es daher begrüßen, wenn der Zugriff auf Onlineangebote generell erschwert würde, um Kinder besser zu schützen.

Schulen in der Verantwortung

Eltern sehen aber nicht nur sich selbst in der Verantwortung, wenn es darum geht, ihre Kinder zu schützen, sondern auch die Behörden (82 Prozent), soziale Netzwerkplattformen (81 Prozent) und Schulen (74 Prozent). „Neben dem Elternhaus ist der Lernraum Schule aus der Sicht von Eltern und Schülerinnen und Schülern ein Ort, an dem der Schutz und die Thematisierung von Online-Risiken stattfinden“, so Björn Schreiber, Referent für Medienbildung der FSM, im Interview mit dem Schulportal für Verbraucherbildung, „74 Prozent der Eltern und 63 Prozent der Heranwachsenden geben an, dass der Lernraum Schule viel oder sogar sehr viel Verantwortung tragen sollte.“ Bei der Frage, inwieweit diese Verantwortung auch wahrgenommen wird, sei der Lernraum Schule direkt nach den Eltern am besten bewertetet, mit 63 Prozent Zustimmung aus Elternsicht und 70 Prozent aus Sicher der Heranwachsenden.

Die Verfasser der Studie gelangen insgesamt zu dem Fazit, dass Jugendmedienschutz nicht allein darin besteht, Heranwachsende vor möglichen negativen Erfahrungen zu bewahren. Ein Ziel sollte es auch sein, sie zu einem bewussten, ihren eigenen Interessen gerecht werdenden, sowie sozial verantwortlichen Umgang mit Onlinemedien zu befähigen. Hier spielen Schulen wiederum eine besondere Rolle. „Mit der zunehmenden Bedeutung von digitalen Medien für Schülerinnen und Schüler, aber auch für die pädagogische Arbeit sollte der Umgang mit onlinebezogenen Risiken auch bei pädagogischen Fachkräften der außerschulischen Arbeit und Lehrkräften an Schulen in den Fokus rücken“, so Björn Schreiber. „Aus medienpädagogischer Sicht muss der Lernraum Schule dabei unterstützt werden, diese Verantwortung besser wahrnehmen zu können. Dazu gehören unter anderem entsprechende Informations- und Bildungsangebote.“

Zweiter Teil der Studie: Befragung pädagogischer Fachkräfte

Ziel der des Jugendmedienschutzindexes ist es, erstmals empirische Daten zu erheben, wie die im System „Jugendschutz“ agierenden Akteure (Eltern, Kinder, Pädagogen) den bestehenden Jugendmedienschutz selber wahrnehmen. In Auftrag gegeben wurde die Studie von der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Dienstanbieter, durchgeführt wurde sie vom Hans-Bredow-Institut und dem JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis. Für den ersten Teil der Studie befragten sie zunächst 805 Heranwachsende zwischen 9 und 16 Jahren und jeweils einen Elternteil. Im zweiten Forschungsteil wurden bis Ende November 2017 außerdem pädagogische Fachkräfte befragt. Dabei ging es auch um die Frage, inwieweit Schulen individuell mit der Herausforderung des Jugendmedienschutzes umgehen – eine Frage, zu der es bislang kaum Daten gibt. „Hier soll die explorative Studie Einblicke ermöglichen. Die Ergebnisse werden im kommenden Jahr veröffentlicht“, kündigt Björn Schreiber an.

Im Gespräch:

Björn Schreiber

Björn Schreiber vom der Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbeiter e.V. (FSM) hat als Referent für Medienbildung zahlreiche Unterrichtsmaterialien für die Reihe »Medien in die Schule« mitentwickelt.

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