Datum: 16.05.2022

Mit dem „Frei Day“ zu mehr Nachhaltigkeit

Jeden Freitag von der zweiten bis zur fünften Stunden steht für die Schüler:innen der Grundschule Bothmer in Niedersachsen der „Frei Day“ auf dem Stundenplan. In dieser Zeit haben sie Gelegenheit, sich mit selbstgewählten Themen auseinanderzusetzen und zu erarbeiten, wie sie die jeweilige Ausgangslage verbessern können. Ob Lebensmittelverschwendung oder Plastikmüll im Meer – vielfach widmen sie sich dabei Fragen, wie sie nachhaltiger handeln können.

Robert Kneschke, Adobe Stock

Der „Frei Day“ ist ein Lernformat der Bildungsorganisation „Schule im Aufbruch“, das Schulkinder dazu befähigen soll, die Herausforderungen der heutigen Zeit selbst anzupacken und so zu erkennen, dass sie die Welt verändern können. „Wir wollten, dass die Kinder lernen, auch nach links und rechts zu gucken, und nicht nur das tun, was wir ihnen sagen. Das war für uns der Grund, den ‚Frei Day‘ einzuführen“, erklärt Schulleiterin Christina Feldmann. Selbstständigkeit und Selbstwirksamkeit soll der „Frei Day“ an der Grundschule Bothmer fördern. Die Kinder zeigen sich laut Feldmann vom Lernformat begeistert: „Sie sind sehr motiviert und lieben es, an ihren Themen zu arbeiten und vor allem, selbstbestimmt unterwegs zu sein.“ 

Schule im Aufbruch

Die Bildungsorganisation „Schule im Aufbruch“ setzt sich laut eigener Beschreibung „für eine ganzheitliche und transformative Bildung im Sinne der „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ ein. Der Zusammenschluss will Schulen unterstützen, „das historisch gewachsene Unterrichtsverständnis kritisch zu prüfen“ und durch eine „Lernkultur der Potenzialentfaltung“ zu ersetzen. Gegründet wurde „Schule im Aufbruch“ 2012 von Margret Rasfeld, mittlerweile Schulleiterin im Ruhestand, Gerald Hüther, Professor für Neurobiologe, und Stefan Breidenbach, Professor für Rechtswissenschaften und Mediator. 

Ein typischer „Frei Day“ startet mit einem Sitzkreis, in dem die Schüler:innen berichten, „was ihnen gerade auf der Seele liegt, woran sie arbeiten wollen oder, wenn die Projekte schon feststehen, welchen Arbeitsschritt sie sich vorgenommen haben“, erklärt Feldmann. Im Anschluss dürfen die Kinder zweieinhalb bis drei Stunden selbstständig an ihren Themen arbeiten: im Klassenraum, in der Aula, die als Lernlandschaft verschiedene Arbeitsplätze bietet, in den Fluren sowie auf dem Schulhof oder im Schulwald. Abschließend treffen sie sich mit der Lehrkraft, um in der letzten „Frei Day“-Stunde zu reflektieren: Was ist gut gelaufen? Wobei gab es Schwierigkeiten? Von wem kannst du Unterstützung erhalten? 

Wie selbstständig die Schüler:innen am „Frei Day“ arbeiten können, hängt vom Alter ab. „Im ersten Schuljahr steht erst einmal die Idee im Vordergrund, die Natur in den Fokus zu rücken“, sagt Christina Feldmann. Im ersten „Frei Day“-Jahr verbrachten die Erstklässler:innen daher die entsprechenden Stunden in der Natur, suchten sich dort einen Lieblingsplatz und durften ihre Umgebung erforschen. „Die Kinder sollen einen Bezug zur Natur aufbauen, um lieben zu lernen, was sie schützen müssen.“ 

Anknüpfungspunkte aus dem Alltag

Mit zunehmendem Alter unterstützt das Lernformat die Kinder, ihr eigenes Handeln zu hinterfragen. Im Zusammenhang mit dem Thema Lebensmittelverschwendung sammelten einige Schüler:innen beispielsweise das übriggebliebene Obst des Schulobstprojekts ein, um Kompott daraus zu kochen und es gegen eine Spende an Lehrer:innen, Freunde und Familie weiterzugeben. Eine andere Gruppe initiierte an der Schule einen plastikfreien Monat, bei dem die gesamte Schulgemeinschaft darauf achten sollte, möglichst wenig Plastikmüll zu produzieren. Bei den Drittklässler:innen steht noch ein Upcycling-Projekt aus, bei dem sie aus kaputter und aussortierter Jeanskleidung Nadelkissen, Nackenrollen oder Federmappen herstellen wollen. „Die Kinder finden in ihrem Alltag viele Anknüpfungspunkte, sodass wir bei der Ideensuche gar nicht viel unterstützen müssen. Wir geben am Anfang Impulse, das ist aber später gar nicht mehr notwendig “, so Feldmann. Für den Einstieg empfiehlt die Schulleiterin beispielsweise Bücher zum Thema Nachhaltigkeit sowie passende Folgen der Sendung mit der Maus oder die Logo-Kindernachrichten des ZDF. 

Den „Frei Day“ einzuführen, verlange ein wenig Mut, sagt Schulleiterin Feldmann, denn Lehrer:innen müssten in eine völlig neue Rolle schlüpfen und „Loslassen üben“. Doch „die Kompetenzen, die die Kinder durch das Lernformat erlangen, die finden sich in allen Kerncurricular wieder“. 
 

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